„Jeder Mensch muss eigene spirituelle Erfahrungen sammeln.“ (katho-nrw)

 (04.06.2014, Köln)


Der 17. Karmapa Orgyen Trinley Dorje, die buddhistische Zukunftshoffnung für Tibet, zu Besuch in der KatHO

In der ersten Reihe links Stefan Kulle,Journalist und Autor des Buchs Karmapa – Der neue Stern von Tibet, daneben der 17. Karmapa
Der 17. Karmapa Orgyen Trinley Dorje bei seinem Vortrag mit seinem Übersetzer
von links: Dr. Peter Krawczack (Erzbischöfliches Generalvikariat), Prof. Dr Peter Berker (Rektor der KatHO NRW), der 17. Karmapa, Bernward Robrecht (Kanzler der KatHO NRW), Dr. Werner Höbsch (Referat für den Interreligiösen Dialog des Erzbistums Köln)

Hoher Besuch hatte sich in der Katholischen Hochschule NRW  in Köln angesagt: „Ursprüngliche Weisheiten für die moderne Welt“ war das Thema eines Vortrags, zu dem der 17. Karmapa Orgyen Trinley Dorje auf seiner ersten Europareise auf Einladung des Kölner Erzbistums an die Hochschule gekommen war. Der 17. Karmapa – was übersetzt heißt: derjenige, der alle Aktivitäten des Buddha ausführt -  ist das Oberhaupt der tibetisch-buddhistischen Kagyü-Schule. Der heute 29jährige Würdenträger wurde im Alter von sieben Jahren von Mönchen als Reinkarnation des 1981 verstorbenen 16. Karmapa gefunden. 1994 war das Leben des damals neunjährigen Jungen, der von Millionen Menschen als lebender Buddha verehrt wird, auf die Kinoleinwand gebracht worden („Living Buddha“).
Für das Erzbistum Köln brachte Dr. Peter Krawczack vor gut 200 Zuhörerinnen und Zuhörern seine Freude zum Ausdruck, Seine Heiligkeit – so die offizielle Anrede – in Köln zu Gast zu haben. Prof. Dr. Peter Berker, der Rektor der KatHO NRW,  verwies in seiner Einführungsrede auf die Bemühungen der Katholischen Hochschule im interreligiösen Dialog und hob die Bedeutung des Besuchs in diesem Zusammenhang hervor. Die Verbundenheit des 17. Karmapa mit der gesamten Schöpfung sowie sein Aufruf zum vegetarischen Leben,  um auch Tieren kein Leid zufügen zu müssen, werde auch bei uns von immer mehr jungen Menschen unterstützt.
In seiner auf tibetisch gehaltenen und ins Deutsche übersetzten Rede ging der 17. Karmapa zuerst auf seine Lebensgeschichte ein. Als Nomadenjunge im tibetischen Hochgebirge aufgewachsen änderte sich sein Leben mit sieben Jahren radikal. Er wurde von seinen Eltern getrennt und lebte unter schwierigen von den Chinesen bestimmten Bedingungen in einem Kloster. Als 14Jähriger entschloss er sich, über die Berge nach Indien zu fliehen, wo er jetzt in der Nähe des Dalai Lama am Fuße des Himalaya im Exil lebt. Der katholische Journalist Stephan Kulle, der auch die anschließende Diskussion mitmoderierte, hat die Lebensgeschichte in dem Buch „Karmapa: Der neue Stern von Tibet“ beschrieben.
Die Ausführungen des 17. Karmapa zu den grundlegenden Werten und Orientierungen des Buddhismus wurden in der Diskussion durch konkrete Fragen   vertieft:  In den Zeiten der Globalisierung sind wir, so der buddhistische Würdenträger, mehr denn je darauf angewiesen, den Planeten Erde wie eine Mutter anzusehen und eine freundschaftliche und dankbare Beziehung zur Erde aufzubauen. Der Buddhismus kann dazu beitragen, universelles Mitgefühl und Herzenswärme gegenüber Menschen und der ganzen Schöpfung zu entwickeln. Dabei besteht der Buddhismus bezüglich seiner Lehre nicht auf einem „Copyright“, sondern möchte seine Erkenntnisse teilen. Zu der Frage, wie er es einschätze, dass das Christentum in Europa im Rückgang begriffen und der Buddhismus im Kommen sei, nahm er selbstkritisch Stellung: Auch in Tibet sei das Phänomen bekannt, dass viele junge Tibeter ihre buddhistische Religion kritisierten. Es reiche heute nicht mehr, einfach nur im kulturellen Volksbuddhismus mitzuschwimmen. Erforderlich sei, dass jeder Mensch eigene tiefe spirituelle Erfahrungen sammle.  Auch der Buddhismus stehe vor der großen Herausforderung, über das Traditionelle hinauszugehen und das Überkommene weiter zu entwickeln. Nur so könne er die Bedürfnisse heutiger Menschen treffen.
Ein Student fragte den 17. Karmapa, ob er auch Zweifel  bezüglich seiner Wiedergeburt kenne. Die Antwort kam mit einem Lächeln: Wenn er die großen Erwartungen der Menschen an ihn sehe und wisse, dass ihm als jungen Menschen  viel Erfahrung fehle, dann könne er sehr wohl ins Zweifeln kommen, ob das ein Glück oder ein Unglück war, als Wiedergeburt des 16. Karmapa gefunden worden zu sein. Aber er sähe Zweifel auch als einen Ansporn, sich weiterzuentwickeln. Gefragt nach den Konflikten bezüglich des zweiten, von einer anderen Linie des tibetischen Buddhismus proklamierten 17. Karmapa, äußerte sich der 17. Karmapa Orgyen Trinley Dorje zurückhaltend: Das sei ein von den tibetischen Buddhisten selbst verursachter Konflikt: Einerseits könne es immer nur einen 17. Karmapa geben. Andererseits könne er dazu nicht Stellung beziehen, ohne dass ihm Parteilichkeit vorgeworfen werde. Dass er zum  17. Karmapa proklamiert wurde, sei  ja nicht seine Entscheidung gewesen;  er müsse mit dieser jetzigen Situation so  leben, wie sie ist.
Dr. Werner Höbsch vom Referat für den interreligiösen Dialog im Erzbischöflichen Generalvikariat dankte abschließend dem tibetischen Gast. Eine Studentin sprach das auch von Buddhisten sehr geschätzte Gebet, das Franz von Assisi zugeschrieben wird: Oh Herr mach mich zum Werkzeug eines Friedens, dass ich Liebe übe, wo man sich hasst… Ein vom Klang der buddhistischen Klangschale eingerahmtes Schweigen bildete den spirituellen Abschluss des eindrücklichen Treffens.
Text: Josef Freise
Fotos: Hannah Schnur

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