Das erste Buch des nächsten Dalai Lama: Eine Gesellschaft, die Glück schafft (WDR 5)


Stand: 23.05.2014, 11.50 Uhr


Von Ingrid Strobl
Karmapa Ogyen Trinley Dorje ist Dalai Lama in spe. Zehn Tage lang reist er durch Deutschland und gibt Belehrungen. Zeitgleich erscheint sein Buch "Das edle Herz. Die Welt von innen verändern".
Weltoffen: Karmapa Ogyen Trinley Dorje

Weltlich gesehen ist Ogyen Trinley Dorje 29 Jahre alt. Aus der Sicht des tibetischen Buddhismus ist er die 17. Wiedergeburt des 1. Karmapa und somit gewissermaßen 900 Jahre alt. In jedem Fall ist er das Oberhaupt der Karma Kagyu Linie, einer der vier großen Richtungen des tibetischen Buddhismus. Gerade ist sein erstes Buch erschienen. Darin schreibt er ganz konkret: Wir müssen nicht nur uns selbst sondern auch die Gesellschaft verändern: "Nur weil wir eine Marktwirtschaft haben, müssen wir keine Marktgesellschaft haben. Grundrechte werden marktkonform zugeschnitten und dann in den Warentausch integriert. So arbeiten weltweit beispielsweise viele Gesundheitssysteme nach rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten."

"Gier ist lächerlich"

Karmapa Ugyen Trinley Dorje sitzt auf seinem Thron

Ogyen Trinley Dorje behauptet nicht, Antworten auf alle komplexen ökonomischen und politischen Probleme der Gesundheitsindustrie zu haben. Und doch fragt er sich, "wie wir so weit kommen konnten, dass dies ein akzeptabler Weg erscheint, mit unseren Mitmenschen umzugehen." Die Verantwortung dafür, dass die Welt so ist, wie sie ist, schreibt er, tragen nicht einfach "wir alle". Politik und Wirtschaft haben einen entscheidenden Anteil daran. Allerdings, fährt er fort: wenn wir alles hinnehmen und nur auf unser eigenes Wohl bedacht sind, unterstützen wir Gier und Unmenschlichkeit. Sein Gegenmittel sind zwei grundlegende buddhistische Lehren: Die von der Verbundenheit aller mit allem. Und die von der Bedeutung des Mitgefühls. Sprich: Wenn wir uns bewusst machen, dass alles, was wir tun, Folgen hat, und zwar nicht nur für uns selbst, sondern auch für andere Wesen und die Umwelt, dann liegt es nahe, verantwortlicher zu handeln. Und wenn wir uns darin schulen, Mitgefühl zu empfinden - und zu praktizieren, dann können wir Ungerechtigkeiten nicht mehr einfach hinnehmen. Dem Slogan "Geiz ist geil" setzt Ogyen Trinley Dorje "Gier ist lächerlich" entgegen. Und erklärt, wie man sich von Gier befreien kann.

Mitgefühl statt Wettbewerb

Er, der selbst als Vierzehnjähriger aus Tibet nach Indien floh, fordert einen menschenwürdigen Umgang mit Flüchtlingen, auch den illegalen. "Wie verhalten wir uns denjenigen gegenüber, die nicht die Macht haben, niedrige Löhne abzulehnen, die wir für uns selbst niemals akzeptieren würden?", fragt Ogyen Trinley Dorje und erklärt: "Wenn ich von einer Gesellschaft spreche, die Glück schafft, dann denke ich an eine Gesellschaft, die Wettbewerb und Gier durch Mitgefühl und Liebe ersetzt. Haben wir erst einmal für uns die Werte neu definiert, die im Zentrum unserer Gesellschaft gelten sollen, können wir die einzelnen sozialen Institutionen und Bereiche betrachten und uns fragen, was verändert werden muss. Sobald wir eine Idee haben, in welche Richtung die Gesellschaft sich entwickeln sollte, können wir beginnen zu handeln."


Frauenrechte sind Menschenrechte

In dem erstaunlichsten Kapitel dieses Buches setzt er sich mit der Situation von Frauen auseinander - und der Rolle, die seine eigene Gesellschaft dabei spielt. Ein Gespräch mit einer westlichen Feministin, schreibt er, lehrte ihn, dass Frauenrechte Menschenrechte sind. Und dass es um die noch immer sehr schlecht bestellt ist. In den Klöstern zum Beispiel, in denen Nonnen weit unter den Mönchen rangieren. Ein Missstand, den man ändern könnte, sagt er - wenn Mann nur wollte, schreibt er: "Wir können die vollständige Nonnenordination einführen. Anfangs glaubte ich, das Problem, dies umzusetzen, läge in den monastischen Regeln und monastischen Grundsätzen. Doch mit der Zeit verstand ich, dass das eigentliche Problem darin besteht, wie unsere Gesellschaft über Nonnen und Frauen denkt."
Buchtipp:
Ogyen Trinley Dorje, der 17. Karmapa: Das edle Herz. Die Welt von innen verändern, edition steinrich, 19,90 Euro

Diesseits von Eden

Themen: 1. Der Papst im Heiligen Land. 2. Österreichische Kirchenkritikerin exkommuniziert. 3. Kirchenrecht und Kirchenkritik. 4. 80 Jahre Barmer Thesen. 5. Dalai Lama in spe. 6. Ökumenisch und musikalisch. 7. Was noch?; Moderation: Christina-Maria Purkert © WDR 2014

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